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Standardisierung und Modularisierung in der Elektrokonstruktion: Der ultimative Effizienz-Guide für den Maschinen- und Anlagenbau

Autor
Dominik Grub
Veröffentlicht
29.01.2026

Wichtige Erkenntnisse des Artikels

In einer Welt, in der Kundenwünsche immer individueller und Lieferzeiten immer kürzer werden, ist das klassische „Copy-Paste-Engineering“ tot. Die Zukunft gehört der Modularisierung und Standardisierung. Doch wie gelingt der Spagat zwischen Flexibilität und Effizienz?

Die Kernpunkte dieses Leitfadens:

  • Strategischer Hebel: Standardisierung ist keine reine Fleißaufgabe für die Konstruktion, sondern der wichtigste Hebel für C-Level-Management, um Margen zu sichern und Skaleneffekte zu erzielen.
  • Engineering-Automation: Wie Sie mit EPLAN und einem intelligenten Baukasten aus manueller Elektroplanung eine automatisierte Produktkonfiguration machen.
  • Normenkonformität: Warum IEC 81346 und IEC 61355 die Basis für jeden Baukasten sind.
  • Rollenwandel: Wie sich die Arbeit von Einkauf, Fertigung und Projektleitung durch modulare Systemelemente radikal verbessert.
  • DEDOS-Expertise: Wir liefern nicht nur Engineering Services, sondern implementieren das komplette Framework – von der Erarbeitung der Makros bis zur Produktentwicklung.

Teil 1: Die strategische Perspektive (Für kaufmännische Entscheider & Management)

Das Paradoxon des modernen Maschinenbaus

Der deutsche Maschinen- und Anlagenbau steht vor einem Paradoxon: Der Markt fordert maximale Individualisierung (Losgröße 1), während der globale Wettbewerb die Preise drückt und Fachkräftemangel die Kapazitäten limitiert.

Die Antwort vieler Unternehmen war jahrelang: Mehr Personal. Doch das skaliert nicht mehr. Die Komplexitätskosten fressen die Marge auf. Jede Sonderlösung in der Elektrokonstruktion zieht einen Rattenschwanz an Kosten nach sich:

  • Spezifische Beschaffung von Einzelteilen (keine Bündelungseffekte).
  • Fehleranfälliger Schaltschrankbau (weil jeder Schrank ein Unikat ist).
  • Aufwändige Inbetriebnahmen (Software muss jedes Mal neu angepasst werden).

Modularisierung als betriebswirtschaftlicher Gamechanger

Modularisierung bedeutet nicht, die Kreativität der Ingenieure einzuschränken. Es bedeutet, das Rad nicht jeden Tag neu zu erfinden.

Wenn wir eine Maschine in funktional gekapselte Module zerlegen (z.B. „Antriebsmodul Förderband“, „Modul Sicherheitstür“, „Modul Kamera-Inspektion“), erreichen wir:

  1. Skalierbarkeit: Einmal entwickelt, tausendfach genutzt.
  2. Risikominimierung: Standardisierte Module sind proven-in-use. Sie funktionieren.
  3. Beschleunigte Time-to-Market: Statt Wochen zu konstruieren, wird die Anlage aus dem Baukasten konfiguriert.

„Wer heute nicht standardisiert, wird morgen nicht mehr konkurrenzfähig anbieten können. Bei DEDOS sehen wir Projekte, bei denen durch konsequente Modularisierung die Engineering-Zeit pro Auftrag um bis zu 50% eingespart wurde. Das ist Marge, die direkt im Unternehmen bleibt.“
– Dominik Grub, Geschäftsführer DEDOS GmbH

Die Auswirkung auf die Wertschöpfungskette!

Einfluss der Standardisierung auf Kosten und Time-to-Market im Maschinenbau

Der Grad der Standardisierung korreliert direkt mit der Entwicklungsgeschwindigkeit und invers mit den Kosten. Besonders spannend: Durch Modularisierung verschiebt sich die Tätigkeit Ihrer teuren Ingenieure. Weg von 70% Routine („Kopieren von Schaltplänen“), hin zu 80% Innovation und echter Produktentwicklung.

Ihr ROI durch DEDOS Engineering Services:
Wir übernehmen für Sie die Erstellung und Pflege dieser Standards. Das ist eine Investition (Capex), die Ihre operativen Kosten (Opex) dauerhaft senkt.

Teil 2: Der technische Deep-Dive (Für technische Leiter & Konstruktions-Profis)

Hier gehen wir ins Detail. Wie sieht eine zielgerichtete Standardisierung in der Praxis aus, speziell in der Elektroplanung?

Das Fundament: Funktionale Gliederung statt ortsbezogener Denke

Traditionell denken Elektrokonstrukteure oft „blattweise“ oder „schaltschrankbezogen“. Für eine echte Modularisierung müssen wir funktional denken.
Ein Modul (z.B. „Vakuumpumpe“) muss alles enthalten:

  • Mechanisch: Die Pumpe und Halterung.
  • Elektrisch: Den Motorschutzschalter, das Schütz, die Klemmen im Schaltschrank.
  • Software: Den Funktionsbaustein in der SPS.

Erst wenn diese Disziplinen synchronisiert sind, sprechen wir von einem mechatronischen Baukasten.

EPLAN Electric P8: Das Werkzeug der Profis

EPLAN ist der Industriestandard, und das aus gutem Grund. Doch viele nutzen es nur als „besseres Zeichenbrett“. DEDOS hebt Ihre Elektrokonstruktion auf das nächste Level, indem wir Features nutzen, die echte Effizienz bringen:

1. Makro-Technologie und Wertesätze (Value Sets)
Wir erstellen nicht nur Symbole, sondern intelligente Fenstermakros mit Platzhalterobjekten.

  • Beispiel: Ein Motorstarter-Makro. Über einen Wertesatz wählen Sie nur noch die Leistung (z.B. „5,5 kW“) aus. EPLAN tauscht im Hintergrund automatisch:
    • Den Artikel des Motorschutzschalters.
    • Den Querschnitt der Kabel.
    • Die Größe der Reihenklemmen.
      Dies eliminiert Flüchtigkeitsfehler bei der Dimensionierung.

2. EPLAN Project Data & Strukturierung
Wir nutzen die Projektoptionen in EPLAN, um Varianten zu managen. Teile der Anlage können einfach „ein-“ oder „ausgeschaltet“ werden, ohne den Plan neu zu zeichnen.

3. EPLAN Cogineer / eBuild
Dies ist der Schritt zur automatisierten Schaltplanerstellung. Basierend auf einem Regelwerk (Konfigurator) wird der Schaltplan auf Knopfdruck generiert. DEDOS unterstützt Sie bei der Implementierung dieser Regelwerke.

4. Artikeldatenbank und EPLAN Data Portal
Eine saubere Standardisierung beginnt bei den Stammdaten. Wir bereinigen Ihre Artikeldatenbank, reichern sie mit 3D-Daten (für Pro Panel) und kaufmännischen Infos an. Nur standardisierte Artikel erlauben eine automatisierte Fertigung (z.B. Rittal Perforex).

Alternative Tools im Vergleich

Auch wenn EPLAN führend ist, unterstützen wir bei DEDOS auch andere Systeme, wenn Ihre Kunden dies fordern:

  • WSCAD: Stark im Bereich Gebäudeautomation und oft kosteneffizienter für kleinere Büros. Hier nutzen wir die „Project Wizard“ Funktionen für Modularisierung.
  • Zuken E3.series: Exzellent im Bereich Kabelbaum-Design (Harness), oft gefordert im Automobilzulieferer-Bereich (On-Board-Netze).
  • ELCAD: Der Klassiker, immer noch weit verbreitet in bestimmten Branchen wie der Kraftwerkstechnik.

Normen und Richtlinien: Das Rückgrat der Standardisierung

Ohne Normen kein Standard. Wir stellen sicher, dass Ihre Baukästen konform sind:

  • DIN EN 81346 (IEC 81346): Die Bibel der Strukturierung. Wir gliedern Ihre Anlage nach „Funktion“ (=), „Ort“ (+) und „Produkt“ (-). Dies ermöglicht erst die modulare Wiederverwendung.
  • DIN EN 61355: Klassifikation von Dokumenten. Damit jeder weiß, was ein „Stromlaufplan“ und was eine „Übersicht“ ist.
  • DIN EN 60204-1: Elektrische Ausrüstung von Maschinen. Unsere Standard-Module berücksichtigen bereits alle Sicherheitsaspekte (Not-Halt-Ketten, Potenzialausgleich).

Teil 3: Der Reifegrad-Check – Wo steht Ihr Unternehmen?

DEDOS holt Sie dort ab, wo Sie stehen. Wir unterscheiden fünf Reifegrade der Standardisierung:

Level 1: Der „Künstler“ (Ad-Hoc)

  • Jedes Projekt wird von Null gestartet oder aus einem alten Projekt „zusammenkopiert“.
  • Hohe Fehlerquote („Leichen“ im Plan).
  • DEDOS Service: Bestandsaufnahme und Bereinigung der Artikeldatenbank.

Level 2: Der Strukturierte (Wiederverwendung)

  • Es gibt Kopiervorlagen für ganze Seiten.
  • Artikeldatenbank ist gepflegt.
  • DEDOS Service: Erstellung einer Makro-Bibliothek und Einführung von IEC 81346.

Level 3: Der Modulare (Baukasten)

  • Definierte Module (Funktionseinheiten) existieren.
  • Platzhalterobjekte in EPLAN werden genutzt.
  • DEDOS Service: Entwicklung eines durchgängigen Baukastensystems für Maschinenbauer.

Level 4: Der Konfigurierer (Optionen)

  • Projektoptionen werden genutzt.
  • Der Vertrieb kann grobe Konfigurationen vorgeben, die das Engineering einliest.
  • DEDOS Service: Schnittstellenprogrammierung (API) zwischen Vertriebstool und EPLAN.

Level 5: Der Automatisierte (Generativ)

  • Schaltpläne werden „über Nacht“ generiert (Schematic Generation).
  • Engineering greift nur noch bei Sonderwünschen („Engineered-to-Order“) ein.
  • DEDOS Service: Implementierung von EPLAN Cogineer oder kundenspezifischen Generatoren.

Teil 4: Die Auswirkung auf die Rollen im Unternehmen

Modularisierung ist ein Change-Prozess. DEDOS begleitet Ihre Teams dabei:

1. Konstruktion & Engineering

  • Vorher: Stress, Routine, Copy-Paste, Fehlersuche.
  • Nachher: Fokus auf Neuentwicklungen und komplexe Sonderlösungen. Das Arbeiten wird befriedigender.

2. Einkauf & Beschaffung

  • Standardisierte Module bedeuten weniger Artikelvielfalt (Teile-Reduzierung).
  • Bessere Verhandlungsmacht durch höhere Stückzahlen gleicher Komponenten.
  • Einfachere Lagerhaltung.

3. Fertigung & Schaltschrankbau

  • Wiederkehrende Schrank-Layouts.
  • Möglichkeit zur Vorfertigung von Kabelbäumen.
  • Geringere Rückfrage-Quote an das Engineering („Wie soll ich das verdrahten?“).

4. Projektleitung

  • Kalkulierbare Termine. Ein Modul aus dem Baukasten hat keine unbekannten Risiken.
  • Präzisere Kostenkalkulation schon in der Angebotsphase.

5. Qualitätsmanagement

  • Ein Standard-Modul ist einmal validiert. Die Fehlerquote in der Realisierung sinkt drastisch.

Teil 5: DEDOS Best Practices – Unser Workflow für Ihren Erfolg

Wie implementieren wir das bei Ihnen? Unser Ansatz ist bewährt:

  1. Screening der Variantenvielfalt: Wir analysieren Ihre letzten 10-20 Projekte. Welche Funktionen kehren immer wieder? (z.B. „Heizungsregelung“, „Antrieb 5kW“).
  2. Definition der Module (Granularität): Wir legen fest, wie „fein“ wir schneiden. Zu kleine Module erhöhen den Verwaltungsaufwand, zu große Module sind unflexibel.
  3. Standardisierung der Komponenten: Wir festlegen Vorzugsartikel.
  4. Erstellung der „Master-Makros“: Aufbau der intelligenten EPLAN-Makros mit Varianten-Logik.
  5. Pilotprojekt: Anwendung des neuen Baukastens an einem echten Kundenprojekt.
  6. Rollout & Schulung: Wir schulen Ihre Mitarbeiter im Umgang mit dem neuen System.

FAQ: Häufige Fragen zu Modularisierung und Standardisierung

Strategische Fragen

Lohnt sich der Aufwand auch bei kleinen Stückzahlen (Sondermaschinenbau)?
Absolut. Auch im Sondermaschinenbau sind oft 60-70% der Funktionen wiederkehrend (Einspeisung, 24V-Verteilung, Sicherheitstechnik, Standard-Antriebe). Durch Standardisierung dieser „Basics“ gewinnen Sie Zeit für die wirklichen „Sonder“-Teile.

Verlieren wir durch Standardisierung nicht unsere Flexibilität?
Nein, Sie gewinnen sie zurück. Weil Sie sich nicht mehr mit Routine-Problemen herumschlagen müssen, können Sie auf individuelle Kundenanforderungen viel schneller reagieren, indem Sie den Standard-Baukasten um spezifische Module ergänzen.

Wie lange dauert die Einführung eines Baukastensystems?
Das hängt vom Reifegrad ab. Ein erstes Set an Basis-Makros kann in 2-4 Wochen stehen. Ein vollautomatischer Konfigurator für komplexe Anlagen ist ein Projekt von 6-12 Monaten. DEDOS unterstützt Sie, damit Sie schon früh erste „Quick Wins“ erzielen.

Technische Fragen (EPLAN & Co.)

Können wir alte Projekte in den neuen Standard überführen?
Das ist meist unwirtschaftlich. Wir empfehlen, den neuen Standard („Greenfield“) für neue Projekte/Baureihen zu nutzen und alte Projekte („Brownfield“) nur bei größeren Retrofits anzupassen.

Was ist der Unterschied zwischen einem Makro und einem Modul?
Ein Makro ist ein technisches Objekt in EPLAN (eine Datei). Ein Modul ist eine funktionale Einheit (z.B. „Vorschubeinheit“), die aus mehreren Makros (Stromlaufplan, Schaltschrankaufbau, PLC-Übersicht) bestehen kann.

Brauchen wir zwingend das Zusatzmodul EPLAN Cogineer?
Für Level 1-3 (siehe oben) nicht. Mit gut gepflegten Makro-Projekten und dem Navigator kommt man sehr weit. Für Level 5 (Automatisierung) ist es sehr empfehlenswert.

Wie gehen wir mit Abkündigungen von Bauteilen um?
Das ist der große Vorteil der Modularisierung: Sie müssen das Bauteil nur zentral im Makro/Wertesatz ändern. Alle zukünftigen Projekte greifen automatisch auf den Nachfolgeartikel zu.

Unterstützt DEDOS auch bei der mechanischen Modularisierung?
Ja. Unsere Engineering Services sind interdisziplinär. Eine elektrische Modularisierung funktioniert nur Hand in Hand mit der Mechanik (z.B. SolidWorks, Siemens NX). Wir betrachten das Gesamtsystem.

Glossar: Die Sprache der Effizienz

  • Baukastensystem: Ein System aus standardisierten Komponenten (Bausteine), die nach definierten Regeln zu verschiedenen Endprodukten kombiniert werden können.
  • Durchgängigkeit: Datenfluss ohne Medienbrüche – vom Engineering (EPLAN) über das ERP bis zur Fertigung.
  • Funktionale Gliederung: Strukturierung der Anlage nach dem, was sie tut (z.B. „Heben“), nicht wo sie steht.
  • Granularität: Der Feinheitsgrad der Zerlegung. Grobe Granularität = große Module (weniger Schnittstellen, weniger Flexibilität). Feine Granularität = kleine Module (hohe Flexibilität, mehr Verwaltungsaufwand).
  • Konfigurator: Softwaretool, das basierend auf Regeln und Abhängigkeiten eine gültige Produktvariante zusammenstellt.
  • Makro (EPLAN): Ein wiederverwendbarer Teilschaltplan, der Parameter und Varianten enthalten kann.
  • Mechatronisches Modul: Eine Einheit, die Mechanik, Elektrik und Software als gekapseltes Objekt betrachtet.
  • Platzhalterobjekt (EPLAN): Ein intelligenter Container in einem Makro, der es erlaubt, Variable (z.B. kW-Leistung) durch Auswahl eines Wertesatzes zu füllen.
  • Referenzkennzeichen (BMK): Die eindeutige „Adresse“ eines Bauteils im Plan und in der Anlage, idealerweise strukturiert nach IEC 81346.
  • Schnittstelle: Der definierte Übergabepunkt zwischen zwei Modulen (mechanisch, elektrisch, informationstechnisch). Nur saubere Schnittstellen machen Module austauschbar.
  • Variantenmanagement: Die Verwaltung aller möglichen Ausprägungen eines Produktes. Ziel ist es, die interne Varianz (Teilevielfalt) gering zu halten, obwohl die externe Varianz (Kundenangebot) hoch ist.

Starten Sie jetzt Ihre Effizienz-Reise mit DEDOS

Modularisierung und Standardisierung sind keine IT-Projekte und keine reinen Konstruktionsaufgaben. Es sind strategische Unternehmensentscheidungen. Sie erfordern Erfahrung, Disziplin und den Blick von außen.

Genau das bietet DEDOS. Wir sind Ihr Partner für:

  • Die Analyse Ihrer Ist-Situation.
  • Die Erarbeitung Ihres individuellen Baukastens.
  • Die Realisierung in EPLAN (und anderen Tools).
  • Die nachhaltige Implementierung in Ihre Prozesse.

Warten Sie nicht, bis der Wettbewerb an Ihnen vorbeizieht. Nutzen Sie die Potenziale der Standardisierung.

Kontaktieren Sie uns für ein unverbindliches Beratungsgespräch. Lassen Sie uns gemeinsam Ihre Komplexität in Produktivität verwandeln.

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